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Heinrich-König-Tage

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Wir lesen im Gottesdienst anstelle der 1. Lesung Texte aus den "Hymnen an die Kirche". Gertrud von Le Fort hat diese Hymnen im Weihejahr Heinrich Königs, im Jahre 1924, herausgegeben. Sie wurde 1876 geboren und konvertierte zu Beginn des priesterlichen Wirkens Heinrich Königs, fünfzigjährig, zum katholischen Glauben. Diese Zeitgleichheit war mit ein Grund, diese Texte zu wählen.

Meine Seele war wie ein Kind, das man im Verborgenen aussetzt. Die Klugen der Welt haben sie verraten Sie war wie ein Wild in den Wäldern dunkler Triebe und wie ein gescheuchter Vogel im toten All.

Du aber hast für sie gebetet, das hat sie errettet. Du hast für sie geopfert, davon hat sie gezehrt. Du hast sie wie ein Kleinod beweint, darum jauchzt sie deinen Namen.

Ich möchte mein Haupt eine Stille lang in deinen Schoß legen! Ich möchte eine Hoffnung lang in deinen Armen rasten! An dir wird jede Wanderschaft lahm und jede Wallfahrt findet an dir nach Hause aber ich weiß, dass ich dir nimmermehr entkomme, den wahrlich, so wie du verfolgst, kann nur Gott verfolgen

Deine Stimme spricht: Ich habe noch Blumen der Wildnis im Arme, ich habe noch Tau in meinen Haaren aus den Tälern der Menschheitsfrühe. Ich habe noch Gebete, denen die Flur lauscht, ich weiß noch, wie man die Gewitter fromm macht und das Wasser segnet.

Du bist wie ein Fels, der in die Ewigkeit abstürzt, aber das Geschlecht meiner Tage ist wie Sand, der ins Nichts fällt. Es ist wie Staub, der um sich selbst wirbelt. Siehe, ihre Grenzen sind wie Mauern aus Schatten vor deinem Antlitz, und das Brausen ihres Hasses ist wie Gelächter. Aber dein Sieg reicht vom Morgen bis zum Abend und deine Flügel wachsen über alle Meere. Deiner Stunde schlägt keine Stunde, und deine Grenzen sind ohne Grenzen.

Du hast einen Mantel aus Purpurfäden, die sind nicht auf Erden gesponnen. Deine Stirn ist mit einem Schleier geschmückt, den haben dir unsere Engelgeweint. Alle Weisheit der Menschen hat von dir gelernt. Du bist die verborgene Schrift unter all ihren Zeichen; Dein Gericht ist die letzte Gnade über den Verstockten. Denn um deinetwillen lassen die Himmel den Erdball nicht fallen: alle die dich lästern leben nur von dir!

Deine Diener tragen Gewänder, die nicht alt werden, und dein Sprache ist wie das Erz deiner Glocken Deine Gebete sind wie tausendjährige Eichen, und deine Psalmen habenden Atem der Meere. Deine Lehre ist wie eine Feste auf uneinnehmbaren Bergen. Denn das Maß deiner Treue ist nicht Menschentreue und das Maß deiner Jahre fasst keinen Herbst. Du bist das einzige Zeichen des Ewigen über der Erde: alles, was du nicht verwandelst, überwandelt der Tod!

Deine Heiligen sind Helden wie aus fremden Ländern, und ihre Gesichter sind wie eine unbekannte Schrift. Du sonders sie aus den Gesetzen der Kreatur aus, als wolltest du sie verderben. Sie sind wie Wasser, die aufwärts fließen, gegen die Berge. Sie sind wie Feuer, die ohne Herdstatt brennen. Sie sind wie Gebete in der Nacht, sie sind wie große Opfer in der Stilletiefer Wälder !

Aber du entzündest deine Seele, dass sie der Morgenröte voraneilt, wie ein Strahl der Hoffnung Du fällst vor dem Herrn nieder, bevor der Tau fällt. Du jubelst sein Herz zu ihm auf, ehe die Lerchen steigen, du jubelst alle Furcht hinweg im Preise deines Schöpfers!

Siehe, du steigst wie ein Dom des Erinnerns aus dem Dämmer, du steigst wie ein gewaltiges Türmen aus der Verschüttung der Zeit !Du läutest mit allen Glocken unseren Ursprung, du läutest Tag und Nacht unsre ewige Heimkunft !

Siehe, du trittst uns entgegen mit goldener Stirn, im Widerscheinen unseres Glücks.

Und deine Stimme spricht: Ich will nicht mehr Ewigkeit heißen, ich will den Namen eurer Glockenannehmen, man soll mich läuten, wie man einen Engelgruß läutet. Ich will durch die Zeiten der Menschen wandeln, wie die großen Feste des Glaubens, ich will über den Stunden der Völker aufgehen, wie das Gestirn der Weihnacht.

Und deine Stimme spricht: Ich will ein Gloria singen, dass die Wipfel meiner Türme mit den Glocken rauschen. Alles Leid der Erde lobe den Herrn. Denn groß ist das Leiden in der Welt, gewaltig ist es und unendlich.

Und ich hörte eine Stimme aus der Nacht, die war groß, wie der Atem der Welt und rief: Wer will die Krone des Heilands tragen? Und meine Liebe sprach: "Herr, ich will sie tragen! "Und ich trug die Krone in meinen Händen und mein Blut floss an dem schwarzen Dorn nieder über meine Finger. Aber die Stimme rief zum anderen Mal: "Du musst die Krone auf dem Haupt tragen. "Und meine Liebe antwortete:" Ja, ich will sie tragen." Und ich hob die Krone auf meine Stirn, da brach das Licht an ihr auf, das war weiß, wie die Wasser in den Bergen.

Ich lasse meine Gebete wie Vögel aufsteigen, aber keines kommt zurück, das mir Antwort brächte

Ich danke dir, dass du uns erlöst hast, Herr, ich danke dir bis an die Chöre deiner Engel.

Gott meiner Psalmen, Gott meiner Harfen, großer Gott meiner Orgeln und Posaunen. Ich will dir lobsingen an allen drei Ufern deines einzigen Lichts.

Predigt zum Heinrich-König-Tag 2005
gehalten von Herrn Pfarrer Späh, Präses der Kolpingfamilie St. Maria Himmelfahrt Gelsenkirchen-Rotthausen.

Dass Agenten einsam sterben, wissen wir aus einem schon klassischen Spionagethriller. Doch nicht nur Agenten sterben einsam, auch sehr oft Märtyrer. Der beeindruckende, theatralische Auftritt im Angesicht des Todes, wie wir ihn kennen aus phantasievoll ausgeschmückten Legenden zum erbaulichen Gebrauch, bleibt dem Heiligen des heutigen Tages, dem Täufer Johannes genauso verwehrt wie dem anderen Märtyrer, dessen wir heute gedenken, Heinrich König.

Der gestrenge Bußprediger Johannes wird sein Leben verlieren in den Verliesen der Festung Machärus am Toten Meer, während man oben in den Palastgemächern weinselig den Geburtstag des Tyrannen feiert.

Und der Priester Heinrich König, den seine Überzeugung ins KZ Dachau brachte wie den Täufer in den Festungskerker von Machärus?
Der Priester wird Opfer diabolischer SS- Ärzte, die medizinische Versuche an gesunden Menschen unternahmen. Sie stellten Infektionen künstlich her, um die Reaktionsweisen des menschlichen Organismus zu testen. Heinrich König stirbt an einem Kreislaufkollaps in Folge einer künstlich herbeigeführten Blutvergiftung, als er beim Bettenmachen von einem Schemel stürzt,

Bei beiden - dem Täufer und Heinrich König - ein Sterben ohne Pathos, ohne die große, dramatische Geste, vor allem ohne Publikum. Keine programmatischen Abschiedsreden nach dem Geschmack von Hagiographen. Kein Sterben aus dem Stoff, aus dem die großen Tragödien sind, eher ein stilles Hineinverschwinden in die dunkle Nacht des Todes, dem ein Gang durch die menschlichen Höllen von Willkür und Menschenverachtung vorausging.

Das unheroische Sterben scheint Schwäche anzudeuten, Niederlage. Das Martyrium aus der Sicht der Mächtigen eine Art der Niederlage. Johannes unterliegt Herodes, Heinrich König dem Nationalsozialismus - und Jesus den jüdischen Religionsbehörden in unheiliger Allianz mit der römischen Staatsmacht.

Soweit zumindest für den Augenblick. Da ist das subversive aus der Welt geschafft, die Balance der Macht wieder hergestellt. Die Torheit der Mächtigen, die glauben, durch ihren gegenwärtigen Machtanspruch auch das Gedächtnis der Nachwelt unterdrücken zu können, wird erst später sichtbar.

Martyrium als ein scheinbares Unterliegen, als ein Scheitern an der Macht - in Wirklichkeit aber als der Sieg Gottes über die anmaßenden Un-Mächte, - das war ein Lieblingsgedanke der Dichterin Gertrud von Le Fort. Sie hat in ihren Erzählungen oft ein Thema gestaltet, das in der Routine des Gemeinde- und Kirchenalltages leicht unterzugehen droht.

Nach dem Vorbild Jesu gehört der christliche Glaube auf die Verliererseite. Gottes Dramaturgie des Welttheaters ist von einer leisen Art. Er hat eine Leidenschaft für die Erfolglosen, Schwachen und Übersehenen. Er zeigt sich selten in den Erfolgreichen, unentwegt Starken und allgemein bewunderten Stars im Rampenlicht. Damit findet er jedoch nicht einmal bei seinem eigenen Volk uneingeschränkten Beifall. Auch Christen sind Menschen dieser Welt und sind nicht frei von deren Verwirrungen und Verführungen. Auch Christen möchten ein Stück aus dem Kuchen der Stärke, der Ehre und des Erfolges. So verständlich das ist - weil eben menschlich - die Teilnahme an der allgemeinen Erfolgsstory wird mit einem hohen Preis erkauft, mit dem Preis des faulen Kompromisses und des Chamäleon Effektes.
Der Preis ist konkret der, dass der Gott, den Christen bezeugen, wenn sie mithalten wollen auf den Schnellstrassen des Erfolges, v e r w e c h s e l b a r wird, sich den Mächtigen und den Trends bis zur Unkenntlichkeit angleicht. So macht man aus dem sperrigen Gott Jesu Christi, dem Gott der Gescheiterten und Verlierer, einen stromlinienförmigen Allerweltsgott, der am Ende wie ein angebetetes Idol des Showbuseness und der Welt der Werbespots aussieht.

Religionen sind immer in der Versuchung, der Macht dienlich zu sein. Das war im Judentum zur Zeit Jesu so, das war in der katholischen und evangelischen Kirche zur Zeit des Dritten Reiches so. Nur wenig eindeutig war die Haltung der deutschen und österreichischen Bischöfe während des Nationalsozialismus, die nach einem blassen dritten Weg zwischen Widerstand und Anpassung suchten. Priester, die wie Heinrich König mit den nationalsozialistischen Behörden in Konflikt gerieten, fanden von Seiten der Bischöfe kaum Unterstützung. Viele Katholiken wollten lieber eine Teilhabe an der herrschenden Macht als den einsamen und den gefahrvollen Weg des Widerspruchs und der Verweigerung, wie ihn Jesus Christus vorgelebt hatte.

Macht - auch das lesen wir in einer Erzählung von Gertrud von Le Fort, sei die eigentliche Gabe des Teufels. Denn der Wille zur Macht verführt zur Verwässerung der Botschaft Jesu, der nicht imponierte, sondern seine Ohnmacht bis zuletzt lebte. Der Wille zur Macht, zum glanzvollen Erfolg ist immer Verrat an der Sache des Gekreuzigten.

Man wird erst frei zum Martyrium = zum Zeugnis geben, wo man frei wird vom Streben nach Macht, Stärke und Erfolg. Diese Freiheit erlangt der Mensch gleichsam in einer neuen Geburt, der Geburt der Arglosigkeit der Kinder Gottes. Wer zum Kind Gottes geboren ist, kann den Panzer der Angst um sich selbst ablegen, weil er sich in einem größeren als nur menschengemachten Schutz geborgen wissen darf. Zum Kind Gottes geboren zu sein, d. h. Ja sagen zu können zu der eigenen Angst, zu der eigenen Schwachheit, weil Kinder Gottes wissen, dass in der eigenen Schwäche die Kraft Gottes wirkt und wahre Wunder vollbringen kann. Wo die eigene Angst, die eigene Schwäche zu einem Gefäß für Gottes Wirken wird, ist Gnade da..

Gertrud von Le Fort hat diese Wahrheit eindrucksvoll in einer Erzählung aus der französischen Revolution beschrieben.
Ein Konvent von Karmelitinnen wird zum Tod auf dem Schafott verurteilt. Die Schwestern gehen mutig und mit gefasster Würde in den Tod, - bis auf eine, die kleine Blanche mit dem bezeichnenden Ordensnamen Maria von der Todesangst Christi, die aus Schwäche und Lebensangst in die vermeintliche Sicherheit des Klosters geflohen ist. Jetzt flieht sie aus Angst vor dem Martyrium a u s d e m K l o s t e r wieder in die Welt.
In ihrem Ordensnamen erfüllt sich nun gleichsam ihr Schicksal. Sie erleidet die Todesangst Christi am Ölberg nun in der eigenen Person. Und wie Christus nach dem Lukas- Evangelium in seiner Todesangst am Ölberg von Engeln, d.h. also von Gott dem Vater selbst gestärkt wird, so auch Blanche. Gott selbst schenkt die Gnade, das Martyrium zu bestehen. In der menschlichen Schwachheit bringt er seine Kraft zur Vollendung. Dabei wird die Angst nicht aufgehoben, das wäre zu billig. Gnade ist kein Psychopharmakum und das Martyrium gibt es nicht zum Schnäppchenpreis. Aber die Gnade Gottes gibt die Kraft, in der Angst auszuhalten.

Die totängstliche, die schwache Blanche tritt aus der gaffenden Menge und stimmt in das Veni Creator Spiritus ihrer Mitschwestern ein. Darauf wird sie vom wütenden Pöbel erschlagen.

Martyrium ist nicht nur ein persönliches Glaubenszeugnis. Es ist vielmehr ein Gotteszeugnis. Die Tat der Märtyrer wird durchsichtig auf Gott hin, der die Gnade schenkt, die menschliche Schwachheit in Kraft zu verwandeln, - der sich der Schwachen bedient, um das Wunder seiner Gnade zu offenbaren. Oder wie es Paulus pointiert sagt: "Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit."

Dieses Wunder liegt jenseits aller menschlichen Möglichkeiten. Dafür hat Heinrich König Zeugnis ablegen dürfen. Darin liegt die Heilung der Welt.


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